Arbeiterwohlfahrt Rostock
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"Es ist bedrückend! Jeder achte Bürger in Deutschland ist direkt oder indirekt von Armut betroffen", so der AWO Bundesgeschäftsführer Rainer Brückers angesichts des 3. Armuts- und Reichtumsberichtes der Bundesregierung.

"Aus menschlichen wie ökonomischen Motiven dürfen wir eine solche Tendenz nicht weiter hinnehmen", betont Brückers. Es sei schwer zu verstehen, "wenn Menschen in Arbeit dennoch unter der Armutsgrenze lebten; wenn Langzeitarbeitslose oder Alleinerziehende und deren Kinder wenig Hoffnung auf materielle Besserungen haben. Andererseits aber die Spitzenvermögen im gleichen Zeitraum kontinuierlich steigen. Da stimmt etwas nicht!"

Die bis dato öffentlich gewordenen Befunde des 3. Armuts- und Reichtumsbericht müssten der Weckruf für alle politischen Entscheidungsträger sein. In den kommenden Wochen und Monaten müsse sich die Bundesregierung daran messen lassen, ob es ihr gelingt, "wirksam gegen die sich verfestigende Armut vorzugehen, die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich wirksam zu schließen und dem weiteren Abrutschen von Menschen in Armut entgegenzusteuern" fordert Brückers.

Die AWO sieht v.a. vier zentrale Punkte, die nun umgesetzt werden müssen:

  • Bessere und zielgenaue Leistungen für Familien und Alleinerziehende. Etwa der weitere Ausbau von Leistungsangeboten für Kinder wie kostenloses Schulessen und Lernmittelfreiheit.
  • Arbeit muss sich materiell lohnen und darf nicht zum Armutsrisiko werden. Dort wo die Tarifparteien keine angemessenen Lohnabschlüsse erzielen, muss über gesetzliche Mindestlöhne gesprochen werden.
  • Ein differenzierter Arbeitsmarkt muss benachteiligten Personen eine dauerhaft geförderte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bieten.
  • Wer zudem ernsthaft nach Konsequenzen aus dem vorgelegten Bericht sucht, darf seine Augen nicht vor dem gigantisch wachsenden Wohlstand weniger verschließen. Verfügten die 10% der reichsten Deutschen bei der Vorlage des letzten Berichts im Jahr 2005 über 46,5% des gesamten Vermögens in Deutschland, hat sich dieser Anteil nach aktuellen Zahlen auf knapp 60% erhöht. Allein die 300 reichsten Deutschen haben ihr Vermögen insgesamt von 2006 auf 2007 nach Berechnungen des Managermagazins von 400 Milliarden auf knapp 480 Milliarden Euro erhöht. Wir brauchen daher eine Besteuerung der Spitzenvermögen, um wichtige Spielräume, um gezielte Hilfen zur Vermeidung und Vorbeugung von Armut besser finanzieren zu können.

Langfristig sei weiterhin der systematische Ausbau von Bildungs- und Weiterbildungsangeboten zwingend geboten. "Acht Prozent Schulabbrecher ohne Abschluss sind acht Prozent zu viel. Ihre Zukunft ist in den meisten Fällen schon verbaut, da sie auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt keine Chance haben werden", unterstreicht Brückers.