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Studie über Belastungen der Pandemie für Kinder und Familien: AWO sieht Politik in der Verantwortung

Berlin, den 29.07.2021. Eine vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung veröffentlichte Studie zeigt, dass vor allem Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen unter den Folgen mangelnder sozialer Flankierung der Pandemieschutzmaßnahmen leiden. Der AWO Bundesverband sieht hier die Politik in der Verantwortung und fordert mit Blick auf die Ausbreitung der Deltavariante schnelles, entschlossenes Handeln und entschiedene Unterstützung betroffener Familien.

„Das Bemerkenswerte an dieser Studie sind nicht die Ergebnisse, das Bemerkenswerte an ihr ist, dass Expert*innen seit Langem genau diese Ergebnisse prognostiziert haben und zu wenig unternommen wurde, um sie zu verhindern“, erklärt dazu der Vorstandsvorsitzende des AWO Bundesverbandes, Jens M. Schubert, „Seit über einem Jahr hätte die Möglichkeit bestanden, Lösungen für die Herausforderungen von Distanzunterricht und Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen zu finden. Und trotzdem diskutieren wir jetzt, angesichts einer möglichen vierten Welle, immer noch darüber, dass Schulen dringend Luftfilter und eine deutlich modernere digitale Ausstattung brauchen, von weiteren Konzepten ganz zu schweigen. Mir fehlt dafür inzwischen jedes Verständnis. Die Gefahr „verlorener Jahrgänge“ besteht durchaus. Aber ob ein Kind dazu gehören wird oder nicht, hängt derzeit vor allem vom Geldbeutel der Eltern ab. Es muss der Eindruck entstehen, dass einfach in Kauf genommen wird, dass die durch die Pandemie verschärften Nachteile für bestimmte Kinder deren Lebensläufe nachhaltig belasten werden.“

Laut der Studie zu den Belastungen von Kindern, Jugendlichen und Eltern in der Corona-Pandemie haben während der Pandemie die psychischen Beeinträchtigungen von Kindern zugenommen. Die Studie zeigt auch, dass die bereits vor der Pandemie vorhandenen sozialen Ungleichheiten die Belastungen in den Familien verstärkt haben.

Gerade Kindern aus Familien in schwierigen sozioökonomischen Lebenssituationen fehlen häufig stabiler Internetzugang, Endgeräte oder großzügige Wohnverhältnisse, so dass sie durch Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen stärker belastet werden. Auch sind viele Eltern, insbesondere Alleinerziehende, an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit geraten, da sie Beruf und Sorgeaufgaben zugleich meistern mussten.

„Die AWO bekräftigt daher ihre seit jeher geltend gemachten Forderungen: Wir müssen Familien stärken und auch außerhalb der Familie die Unterstützungsangebote der Jugendhilfe und der Schule ausbauen“, so Schubert abschließend, „Gerade jetzt zeigt sich, wie notwendig der flächendeckende Ausbau der Jugendhilfestruktur ist – sei es die Kindertagesbetreuung, die Erziehungshilfe, die Familienbildung oder die Jugendarbeit. Nur so können wir die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen wahren. Das nun gestartete Aufholpaket nach Corona kann da nur ein erster Schritt sein.“

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Die Arbeiterwohlfahrt gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege und wird bundesweit von über 312.000 Mitgliedern, mehr als 82.000 ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfern sowie rund 237.000 hauptamtlichen Mitarbeiter*innen getragen.


Quelle: AWO Bundesverband e.V.

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