Verantwortung aus der Geschichte – für eine menschenrechtsbasierte psychosoziale
Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern: Stellungnahme des Landesverbandes
Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. anlässlich des Tags des Gedenkens an die
Opfer des Nationalsozialismus und der NS-„Euthanasie“
Sehr geehrte Damen und Herren,
gemeinsam mit unseren Mitgliedsorganisationen und zahlreichen Kooperationspartner*innen
erinnern wir im Rahmen unserer jährlichen landesweiten Gedenkveranstaltung „ERINNERN,
BETRAUERN, WACHRÜTTELN“ anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des
Nationalsozialismus an die Menschen, die im Nationalsozialismus aufgrund von psychischen
Erkrankungen sowie geistigen oder körperlichen Behinderungen entrechtet, zwangssterilisiert,
deportiert und ermordet wurden.
Dieses Erinnern ist kein Rückblick allein – es ist ein Auftrag für die Gegenwart und Zukunft.
Die Geschichte des Nationalsozialismus lehrt uns auf erschütternde Weise, wohin
gesellschaftliche Ausgrenzung und soziale Abwertung sowie die Infragestellung der Würde
einzelner Menschengruppen führen können. Psychisch erkrankte und behinderte Menschen
wurden im Nationalsozialismus systematisch entmenschlicht, als „lebensunwert“ stigmatisiert
und Opfer staatlich organisierter Gewalt. Diese Verbrechen wurden möglich, weil
gesellschaftliche Solidarität zerbrach, demokratische Werte aufgegeben und
menschenfeindliche Ideologien politisch wirksam wurden.
Vor diesem historischen Hintergrund blicken wir mit großer Sorge auf den zunehmenden
Einfluss rechtspopulistischer und rechtsextremer Bewegungen in unserer Gesellschaft
insbesondere im Kontext der diesjährigen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
Politische Ideologien und Einstellungen, die die Ausgrenzung von gesellschaftlichen
Minderheiten normalisieren, bestehende soziale Sicherungssysteme infrage stellen oder
Menschen nach vermeintlicher Leistungsfähigkeit bewerten, stehen in direktem Widerspruch
zu den Grundwerten einer menschenrechtsorientierten und fachlich fundierten psychosozialen
Versorgung.
Rechtsextreme und rechtspopulistische Positionen gefährden die Versorgung von Menschen
mit psychischen Erkrankungen in mehrfacher Hinsicht: Sie schwächen den gesellschaftlichen
Zusammenhalt, fördern Stigmatisierung und erschweren damit die gesellschaftliche Teilhabe.
Sie relativieren soziale Verantwortung und stellen psychiatrische und psychosoziale
Behandlungs- und Unterstützungsleistungen unter einen vermeintlichen Kosten- oder
Nutzenvorbehalt. Sie bedrohen eine menschenrechtsbasierte, gemeindenahe und
bedarfsorientierte psychosoziale Arbeit, die sich auf Respekt und Vielfalt gründet und sich aktiv
für den Schutz von Menschen einsetzt, die erheblicher gesellschaftlicher und gesundheitlicher
Benachteiligung ausgesetzt sind.
Als Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e.V. sehen wir es als unsere
fachliche und ethische Verantwortung, diesen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten.
Unsere Arbeit basiert auf der Unantastbarkeit der Menschenwürde und auf einer
demokratischen Grundordnung, die niemanden ausschließt. Psychosoziale Arbeit ist immer
auch Arbeit für Demokratie, gegen Diskriminierung und für soziale Gerechtigkeit.
Gerade angesichts der historischen Vergangenheit rufen wir anlässlich des Tags des Gedenkens
an die Opfer des Nationalsozialismus dazu auf, Verantwortung zu übernehmen: für eine
wachsame demokratische Gesellschaft, für eine klare Haltung gegen Menschenfeindlichkeit
und für politische Entscheidungen, die den Schutz, die Unterstützung und die Rechte von
Menschen mit psychischen Erkrankungen sichern und stärken.
Erinnern heißt handeln. Wachrütteln heißt Haltung zeigen.
Unsere Vergangenheit verpflichtet uns, auch heute und in Zukunft für ein achtsames,
respektvolles und inklusives Miteinander einzustehen.
Rostock, 25.01.2026
Quelle: Landesverband Sozialpsychiatrie Mecklenburg-Vorpommern e. V.











